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Gewitter fotografieren - Fotografie Andreas Dammert

Gewitter fotografieren

Seit meinen ersten Gewitter-Fotos die ich 1998 mit einer analogen Canon EOS 500N aufgenommen habe, begeistert mich die Gewitter-Fotografie. Wie ich meine Gewitterfotos mache und welche Hilfsmittel ich dabei benutze, habe ich auf dieser Seite zusammengefasst.

Bitte die Sicherheitshinweise am Ende der Seite beachten!

Ausrüstung

  • stabiles Stativ: die Fotos werden mehrere Sekunden bis Minuten belichtet und ein Gewitter wird in der Regel von starken Windböen begleitet.
  • Kamera: ist relativ unwichtig, sie muss lediglich die manuelle Einstellung von Fokus, Blende und Belichtungszeit erlauben. Hilfreich ist außerdem ein Fern- oder Selbstauslöser um Verwackelungen zu vermeiden.
  • Objektiv: relativ unwichtig (man braucht jedenfalls keine lichtstarke Festbrennweite). Ein Weitwinkelobjektiv bietet sich an um so viel Himmel wie möglich auf das Foto zu bekommen. Aber auch ein Teleobjektiv kann nützlich sein, um ein weit entferntes Gewitter zu fotografieren.
  • Regenschutz: eine Regenjacke und Regenschutz für die Kamera. Wenn die Kamera nicht Wasserfest ist, kann sie in eine Plastiktüte eingepackt werden. Man scheidet ein Loch für das Objektiv in die Tüte und fixiert sie mit Klebeband. Natürlich gibt es auch verschiedene Regenschutz-Lösungen zu kaufen.
  • Auto mit geschlossener Metallkarosserie:
    1. man kann zum Gewitter bzw. besser vor dem Gewitter weg fahren (wenn es bereits regnet, ist es schon zu nah und die Ausbeute sinkt)
    2. es schützt vor Blitzschlag! (siehe auch Hinweise zur Sicherheit)

Standort

Um ein Gewitter zu fotografieren, muss man als erstes Wissen, ob, wann und wo sich ein Gewitter bildet und in welche Richtung es zieht. Dabei helfen Wetterdienste im Internet oder Apps für das Smartphone.

Internetdienste

Unwetterzentrale - Aktuelle Warnlagen - Zusammenfassung aller Unwetterwarnungen sowie nützliche Wetterhinweise für Deutschland
WetterOnline - Wetter Radar - Blitze - Gewitterradar

Lightningmaps.org - Auf Google Maps basierendes Live Blitzradar mit den Daten von Blitzortung.org

Android-Apps

Regen Alarm - zeigt den Verlauf des Niederschlages und dessen Stärke an. Die App benachrichtigt außerdem, wenn in einem bestimmten Umkreis Regen auftritt. So verpasst man kein Hitzegewitter, das sich gerade in der Nähe bildet.

Blitzortung Gewitter Monitor - Visualisierung der Daten von Blitzortung.org

Ist es nun soweit und ein Gewitter bildet sich, sollte man sich am besten in einiger Entfernung vor dem Gewitter platziert. So erhöht man die Chance, viele Blitze auf eine Aufnahme zu bannen.
Wenn das Gewitter zu nahe ist, blitzt es in zu unterschiedlichen Richtungen und die Ausbeute insgesamt sinkt. Man kann sich in diesem Fall besser einer anderen Gewitterzelle widmen, die vielleicht am Horizont zu sehen ist. Befindet man sich hinter einem Gewitter, verdeckt die Regenfront die Blitze oder das Gewitter hat evtl. schon deutlich an Kraft verloren.

Außerdem sollte man die Bildgestaltung bei aller Aufregung nicht vergessen: ein gerader, freier Blick auf den Horizont sieht besser aus, als eine Perspektive mit stürzenden Linien, schräg zwischen Häuserdächern gen Himmel blickend.

Die Aufnahme

Nachdem ein geeigneter Standort gewählt wurde und die Kamera in die Richtung der Blitzentladungen ausgerichtet ist, kann es losgehen.

Fokussieren

Den Fokus der Kamera auf unendlich stellen oder ein Objekt am Horizont fokussieren. Windräder oder die Lichter von entfernten Gebäuden sind dafür ideal. Bei manueller Einstellung darauf achten, dass der Fokus in der Regel über unendlich hinaus eingestellt werden kann (was zu unscharfen Fotos führen würde). Bei Systemkamaras benutzt man einfach Fokus-Peeking im Liveview oder EVF.

Belichtungszeit / ISO

Da ein Blitz nur Bruchteile von Sekunden zu sehen ist, muss man für erfolgreiche Blitz-Fotos eine Langzeitbelichtungen anwenden. Die Belichtungszeit der Kamera sollte so lange wie möglich gewählt werden, um so viele Blitze wie möglich zu erwischen. Deshalb wird die ISO-Emfindlichkeit so gering wie möglich eingestellt.

Blitzfotografie am Tage / in der Dämmerung

Am Tage ist es relativ schwierig Blitze zu fotografieren. Der Himmel ist sehr hell, so dass sich ein Bliz kaum vom Hintergrund abhebt. Aufgrund der kurzen Belichtungzeit kann man entweder so viele Bilder wie möglich hintereinander weg machen und zufällig einen Blitz erwischen oder man legt sich mit Finger aus dem Auslöser auf die Lauer und löst aus, sobald man einen Helligkeitsunterschied wahrnimmt.
Da eine Blitzentladung oft aus mehreren Einzelentladungen besteht, hält man mit etwas Glück einen Teil der Entladung fest.

Slow Motion Lightning, 12 July 2015 from ZT Research on Vimeo.

Es gibt auch technische Lösungen zum Auslösung der Kamera, die das Radio-Signal eines Blitzes als Trigger benutzen. Aber da ein Blitz am Tage eher unspektakulär aussieht, lohnt sich die Anschaffung meiner Meinung nach nicht.

Blitzfotografie in der Nacht

In der Dunkelheit ist es sehr einfach Blitze zu fotografieren, da man ohne Weiteres mehrere Sekunden belichten kann und man unter Umständen mehrere Biltze auf ein Bild bannen kann.
Da aber mit längerern Belichtiungszeiten die Blitzentladungen das Bild aufhellen, muss man je nach Stärke des Gewitters die Belichtungszeit verkürzen (ISO anheben oder Blende öffnen). Ansonsten zeichenen sich die Blitze kaum vom hellen Himmel ab.

Blende

Die Blende muss an die Umgebungshelligkeit angepasst werden. Bei Digitalkameras kann man leicht die Aufnahme überprüfen und anpassen. Wird eine analoge Filmkamera verwendet, muss man nach Gefühl vorgehen. Eine Blende 8 bis 11 bei ISO 100 sollte in der Nacht gut funktionieren. Wählt man die Blende zu hoch, sind schwache, weit entfernte Blitze nur schwach auf dem Foto zu erkennen. Wählt man die Blende zu gering, überstrahlt ein starker (naher) Blitz die gesamte Aufnahme.

Abschatten des Objektivs

Kann man mehrere Minuten belichten, empfiehlt es sich in Blitzpausen das Objektiv mit einem dunklen Tuch (oder der Hand) abzudecken, damit weniger Umgebungshelligkeit (Ortschaften, Mondlicht etc.) die Aufnahme aufhellt. Man bekommt während des Gewitters ein Gefühl dafür, wann eine Pause einsetzt und keine Blitze zu sehen sind. Letztendlich gibt es nicht die eine "richtige Einstellung" bei der Blitzfotografie. Man muß sich wie so oft in der Fotografie den jeweiligen Umgebungsbedingungen anpassen.

Allgemeine Faustregel für die Gewitterfotografie

Fokus: unendlich - Windräder, Gebäude und Live-View Modus helfen beim Fokussieren
Emfindlichkeit: so gering wie möglich - reduziert Bildrauschen und verlängert die Belichtungszeit
Belichtungszeit: so lange wie möglich (einige Sekunden bis Minuten)
Blende: an die Umgebungshelligkeit anpassen

Wie weit ist das Gewitter entfernt?

Sieht man einen Blitz, empfiehlt es sich die Zeit bis zum Donner zu messen (indem man z.B. von 21 beginnend zählt). In einer Sekunde legt der Schall etwa 330m zurück. Multipliziert man also die Zeit mit gerundet 3, bekommt man die Entfernung in 100m zurück. Man kann natürlich auch die gezählten Sekunden durch 3 teilen um die Entfernung in Kilometern zu bekommen.
Beispiel: Ein Blitz, ich zählen von 21 bis 26 = 6 Sekunden * 3 = 1800 Meter (genau genommen 1980 Meter bei 330 m/sec)

Hinweise zur Sicherheit

Unter 5 km Entfernung zum Blitz wird es ernsthaft gefährlich und man sollte besser Schutz in einem Auto mit geschlossener Metallkarosserie suchen. Das Auto fungiert als faradayscher Käfig, bei dem die Energie des Blitzschlags über die Karosserie und die Reifen in den Boden geleitet wird. Im Inneren ist man zumindest vor dem Blitzstrom relativ sicher.

Pro Jahr werden etwa 7 Menschen in Deutschland vom Blitz getötet. Aber nicht nur der Tod ist eine Folge, die durch Blitzschlag eintreten kann: Schädigungen des Herzen, Nervensystems, Hirnschäden, Schlaf- und Gedächtnisstörungen, Verbrennungen, innere Blutungen, Taubheit, oder Erblindung können ebenso eintreten. Die Gefahr eines Gewitters sollte man also keines Falls unterschätzen!

Persönliche Erfahrung

Bei der Aufnahme dieses Bildes stand ich am offenen Fenster, als ich plötzlich ein eindeutig von draußen kommendes, hallendes und sehr lautes "Knacken" (ähnlich dem Geräusch, das eine Influenzmaschine im Physikunterricht macht) hörte. Den Bruchteil einer Sekunde danach war plötzlich alles weiß, ich war derart geblendet, daß ich nichts mehr erkennen konnte. Unmittelbar darauf (~ eine halbe Sekunde) kam auch schon der Donner, zwar laut aber auch nicht extrem laut. Auf dem Bild sieht man oben rechts einen Teil dieses Blitzes, der in unmittelbarer Nähe eingeschlagen sein muss. Im Nachhinein war ich dann recht froh darüber nichts "abbekommen" zu haben. Das laute "Knacken" war vermutlich der Fangblitz, welcher der Hauptentladung voraus ging. (Der Blitz in der Bildmitte kam erst einige Zeit später und war sehr viel weiter entfernt)

Blitze, die von der Oberseite einer Gewitterwolke in den Boden einschlagen ("Positiver Blitz", seltener als normale "Wolke zu Wolke"- oder "Wolkenunterseite zu Boden"-Blitze) sind deutlich stärker und können mehrere Kilometer vom eigentlichen Unwetter einschlagen. Man sollte also auch in scheinbar sicherer Entfernung vom Gewitter keine erhabene Position aufsuchen.
Immer wieder muss gesagt werden: Bäume (egal welcher Art) bieten keinen Schutz, sondern stellen eine Gefahr dar! Der Blitz sucht sich den Weg des geringsten Widerstandes zum Boden. Da der Baum an sich mit seinen feuchten Ästen besser den elektrischen Strom leitet als Luft, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blitz in den Baum einschlägt deutlich höher. Dies gilt ebenso für Menschen und metallische Gegenstände (Regenschirme, Stative). Falls man nicht vom Blitz, der in einen Baum einschlägt direkt getroffen wird, kann man von den explosionsartig abgesprengten Baumrinden und Faserstücken verletzt werden oder von abbrechenden Ästen erschlagen werden.
Hat man kein Auto oder Haus zur Verfügung in dem man Schutz suchen kann, gilt es sich selbst und die Fläche des Körpers, die den Boden berührt so klein wie Möglich zu machen. Dies funktioniert am besten, indem man sich mit zusammengepressten Beinen hinhockt.
Schlägt ein Blitz in unmittelbarer Nähe ein, steht auch der Boden im Umfeld unter großer Spannung. Würde man liegen oder breitbeinig stehen, könnte einer starker Strom durch das eine Bein herein, durch den Körper und durch das andere Bein wieder heraus fließen (Schrittspannung). Ich habe es mir angewöhnt immer mit zusammengepressten Füßen zu stehen, wenn ich Gewitterfotos mache.

Weitere Informationen über die Auswirkungen von Blitzen auf den Menschen: Human Voltage (Nasa)

Weitere Links zum Thema Blitze

Wikipedia:
Blitz,
Schrittspannung

Meine Gewitter- und Blitzfotos